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Magere Zeiten für virtuelle Besucher
"F Inform" - der immer noch enttäuschend lückenhafte Auftritt der Stadt Frankfurt im Internet
Von Janko Puls
Klick: "Dieser Bereich ist noch nicht verfügbar", zweiter Klick: dito. Dritter Klick: Treffer. Aber der Beitrag zum Goethe-Jubiläum ist enttäuschend kurz, keine weitere Information, kein Link zu jemandem im Netz, der mehr darüber sagen könnte. Ein Besuch der Stadt Frankfurt im World Wide Web kann ziemlich frustrieren. Wer www.frankfurt.de in seine Tastatur tippt, muß damit rechnen, durchschnittlich bei jeder dritten Seite auf später vertröstet zu werden. In den Bereichen Kultur, Wirtschaft und Verkehr sieht es besonders schlecht aus.
Traurig angesichts der langwierigen Anlaufphase. Nach einer ersten Verfügung der Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) im Sommer 1996 verbrachte die ausführende Tourismus + Congress GmbH (TCF) zwei Jahre mit Konzeption und Vorgesprächen, bis (seit dem 8. Mai 1998) von den Bemühungen überhaupt etwas im Internet zu sehen war.
Nicht nur lange Ladezeiten frustrieren den Besucher der elektronischen Stadtinformation, vielleicht trägt auch das Konzept der TCF dazu bei: Die hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt, die das Angebot "F inform" zusammenstellt, hat ein etwas merkwürdiges System, Ämter, Unternehmen und Vereine zu präsentieren. Alle Anbieter müssen nicht nur selbst für die Informationen und deren Aktualisierung sorgen, sondern auch die vollen Kosten für die Präsentation übernehmen. Was Wunder, daß private soziale Einrichtungen, die Universität oder Künstler nicht vertreten sind, der Business-Bereich mit der Messe und einer elektronischen Hotelreservierung dagegen schon halbwegs abgedeckt ist. Daher erscheint das Angebot bisher zu glatt poliert, zu schön, um wirklich die gesamte Stadt abzubilden, wie es sich die TCF eigentlich vorgenommen hat.
An Frankfurter und Auswärtige, an Unternehmer wie an Senioren und Studenten will sich der Dienst gleichermaßen wenden, doch das Bild, was die Stadt dem virtuellen Besucher hier vermittelt, kann so nicht einmal ansatzweise vollständig sein.
Michael Schönhofen, der im Personal- und Organisationsamt der Stadt federführend das Projekt leitet, argumentiert: "Wir wollen schon jetzt zeigen, was wir alles anbieten wollen. Die Abteilungen werden Stück für Stück aufgebaut."
Doch vom Ziel, einen umfassenden Service anzubieten, ist man weit entfernt. Stichwort Bürgerservice, Abteilung Nummer acht bei F inform: Gerade einmal fünf Formulare kann man sich ausdrucken und per Fax oder Post an die Behörden schicken. Wenn auch das elektronische Rathaus noch ein Traum ist, weil es an internet-fähigen Computern in der Stadtverwaltung mangelt: Ein paar mehr Vordrucke wären neben den Adressen und Telefonnummern sicher noch auf dem Server unterzubringen gewesen.
Stellt sich die Frage, wozu das Internet dann gebraucht wird. Sicher, hier liegen wertvolle Informationen gebündelt aus, doch das könnte auch ein ordentliches Stadthandbuch leisten. Sicher, da sind interessante Beiträge zu lesen, etwa zur Stadtpolitik oder Stadtgeschichte, doch andererseits verstört den virtuellen Besucher eine Beschränkung: Es gibt nur sehr wenige Links auf andere Angebote. "Wir wollen uns nicht mit Hinz und Kunz verlinken, mit Schmuddelseiten wollen wir nichts zu tun haben." So lehnt Schönhofen eine weite Öffnung des Angebots ab - als ob andere Frankfurter nur anzügliche Bildchen ins Netz stellten.
Dabei haben die anderen Anbieter auch einiges zu bieten - etwa einen sinnvoll eingesetzten interaktiven Stadtplan bei http://www.frankfurt-online.de. Zudem scheint die TCF Angst vor dem Verlust von Besuchern zu haben. Geschäftsführer Günter Hampel fürchtet nämlich, daß der Informationssuchende "von Link zu Link zu Link kommt, nicht wieder zurückfindet" - dann aber "befinden Sie sich nicht mehr im Frankfurter System."
Auch von der Interaktivität des Mediums Internet hält man offensichtlich nicht allzuviel: Die Links zu anderen Frankfurt-Angeboten im World Wide Web lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen. Es gibt zwar Kooperationen mit verschiedenen Anbietern, etwa der Messe Frankfurt oder dem Rhein-Main.net für den Veranstaltungskalender des "Frankfurt Journals". Hier wird vom Wege abgewichen, alles aus eigener Kraft, in eigener Regie ins Netz zu stellen.
Ein Blick auf andere Städte im Netz zeigt, wie's gemacht wird: Unter http://www.muenster.de, dem preisgekrönten Angebot der gleichnamigen Stadt, gibt es Bürgerforen und Anzeigenmärkte, hier kann jeder mit zum Ausbau des Stadtnetzes beitragen. Die Betreiber rufen ausdrücklich dazu auf, Webseiten mit Münster-Bezug zu melden. Oder etwa http://bremen.de: Hier kann der Web-Reisende auch schon seine Karte fürs Sechstagerennen per E-Mail und Kreditkarte bestellen. Und am Schwarzen Brett tobt das Netzleben, davon kann man bei "F inform" nur träumen.
Vision und Umsetzung klaffen hier oft genug weit auseinander. Und oft liegen die Probleme nicht am Netz oder der Konzeption. An der knappen Beteiligung der Ämter, die sich teilweise unter www.stadt-frankfurt.de angesiedelt haben, könnte auch eine merkwürdige Vertragskonstruktion des TCF-Geschäftsführers Hampel schuld sein. Der ehemalige Amtsleiter erhält sieben Prozent der Einnahmen der GmbH, und das ist in der Verwaltung bekannt (die FR berichtete). Was Wunder, daß in den Zeiten leerer Beutel wenig Bereitschaft besteht, dafür Geld aus der Kasse herauszurücken.
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