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Eine Anmerkung vorweg: Der folgende Artikel gibt nicht meine Meinung zu den besprochenen Büchern und Institutionen wieder, ich zitiere ihn hier lediglich wegen der Erwähnung meiner Seiten.
Ich habe den Text mit seinen Besonderheiten in Ausdruck, Rechtschreibung und Zeichensetzung unverändert aus dem gedruckten Heft übernommen. Lediglich die Links wurden von mir nachträglich eingefügt. Der Text von Martin Busche ist erschienen in Insight M, Nummer 10, Oktober 1998, S. 26-37.
Die vollständigen bibliographischen Angaben und Links zu diesen (und eineigen anderen) Titeln sind auf meiner Seite Buchtips für Journalisten zu finden.
Janko Puls


Betriebsanleitungen für das Internet
INSIGHT nimmt drei Bücher zum Thema "Journalisten und Online-Recherche" unter die Lupe

von Martin Busche

Internetrecherchen gehören zum täglichen Brot, zumindest freiberuflich arbeitender Journalisten. Doch immer noch bleibt vielen der effektive Umgang mit Suchmaschinen, Newsgroups und Telnet ein Rätsel. "Gewußt wo", heißt auch die Devise beim Suchen im Internet. Helfen wollen dabei Handbücher, die gerade Journalisten durchs Internetdickicht führen sollen. Im Campus-Verlag sind gleich eine Reihe berufsspezifischer Recherchebücher erschienen.

Ditfurth: "Internet für Journalisten"

Zweimal taucht Christian von Ditfurth dabei als Autor auf. Sowohl "Internet für Historiker", als auch "Internet für Journalisten" enstammen seinem Computer. Eines hätte auch gereicht, denn das Buch für Journalisten ist mit dem für Historiker fast identisch. Aus Sicht des Autors verständlich, der so versucht, sein Wissen doppelt zu verwerten. Leider auf Kosten der Buchqualität. Denn Historiker arbeiten anders als Journalisten, was Ditfurth, der in beiden Berufen Geld verdient, auch wissen dürfte.

Außerdem müssen die Nutzer der beiden Bücher die Softwarevorlieben des Autors ausbaden. Er favorisiert den Netscape-Navigator und gibt auch nur für diesen Nutzungshinweise. Freunde des Microsoft Explorers gucken in die Röhre. Überhaupt scheint Ditfurth seine Leser nicht recht ernst zu nehmen. Seine im Computer-Bild-Stil gehaltenen Vorträge tragen Eulen nach Athen. "CD-ROMs sind im Prinzip nichts anderes als die üblichen Musik-CDs", doziert Ditfurth, "nur enthalten sie andere, nämlich für den Computer verwertbare Daten." Verwertbare Informationen für Journalisten finden sich ab Seite 203 des knapp 260 Seiten starken Bandes. Doch auch hier enttäuscht Ditfurth und käut eher Branchengerüchte wieder, statt handfeste Tips zu liefern.

So empfiehlt er als ausgezeichnete Startrampe für Journalisten das Journalistenforum Jo|Net. Warum, wird nicht ganz klar. Denn das Jo|Net ist nicht mehr als eine Art Newsgroup, in der wild durcheinander diskutiert wird und ein bisweilen recht unflätiger Umgangston herrscht. Wirklich wichtige Informationen behält der Autor statt dessen für sich.

So behauptet er, daß die private Homepage Jankos Medienmoster "nur das übliche" beinhalte. Das stimmt nun gerade nicht. Auf Jankos Seiten befindet sich die beste und aktuellste Auflistung kostenloser deutschsprachiger Pressearchive. Doch selbst "Janko" kennt anscheinend das umfangreichste Pressearchiv nicht - vielleicht, weil es englischsprachig ist. Der amerikanische Christian Science Monitor, eine der großen liberalen US-Zeitungen, hat alle Artikel seit 1980 ins Netz gestellt und ist für Journalisten, die US-Themen recherchieren wollen, unverzichtbar.

Publizisten, die häufiger mit fremdsprachlichen Quellen arbeiten, sei auch noch die Seite des Österreichischen Journalistenclubs (OJC) empfohlen. Hier befindet sich eine ausgezeichnete Linksammlung verschiedenster ausländischer Medien, vom Schweizer Tagesanzeiger bis zur indischen Daily Times.

Blittkowsky: "Online-Recherche für Journalisten"

Auf den ersten Blick vertrauenswürdiger als das Ditfurth-Buch wirkt "Online-Recherche für Journalisten", das Ralf Blittkowsky im UVK-Verlag herausgegeben hat. Auch der Software-Spezialist stellt eine Interneteinführung dem eigentlichen Branchenteil voran. Im Gegensatz zu Ditfurth aber verliert er dabei nie die journalistischen Interessen aus den Augen. Immerhin 100 Seiten widmet er ausschließlich diesem Thema.Sein Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Datenbankrecherche. Nach Lektüre des Buches bleiben dem Leser nur wenige der vielen Online-Datenbanken fremd - weder die über das Internet erreichbaren noch die der Onlinedienste. Selbst CD-ROM-Archive kommen nicht zu kurz. "Online-Recherche" ist das optimale Buch für alle, die auf Verlagskosten surfen dürfen.

Freien Journalisten wird das Buch weniger zusagen. Denn Datenbankrecherchen sind unangemessen teuer. Alternative Fundstellen, in denen kostenlos gesucht werden kann, kennt der Autor kaum. Auch Newsgroups und Mailinglisten werden sträflich vernachlässigt. Zu Unrecht. Allein per Original-Text-Service (ots) sind täglich hunderte Pressemeldungen zu erhalten, die auch den größten Newsjunkie zufriedenstellen dürften - kostenlos, versteht sich, nach Interessengebieten sortiert und stets frisch im eMail-Fach. Publizisten, die aktuell arbeiten und EU-Politik als Schwerpunkt haben, sollten, den eMail-Service der Europäischen Union nutzen. Besser und aktueller sind Informationen aus Brüssel, Genf und Luxemburg nicht zu bekommen.

Vielleicht als Ausgleich für die unverständliche Vernachlässigung kostenloser Surftips, wartet Blittkowsky am Ende seines Buches mit einem besonderen Schmankerl auf. Die von ihm im Buch vorgestellten Adressen und noch ein paar mehr hat er fein säuberlich auf Diskette gespeichert und dem Buch beigelegt. Eine lobenswerte Idee, hätte der Autor nicht etwas Schleichwerbung untergemischt. Der Link "media-markt" führt direkt zur Homepage des Elektronik-Kaufhauses.

Wegner: "Recherche Online. Handbuch für Journalisten"

Beim relativ kleinen Zeitungs-Verlag Service (ZV) in Bonn ist "Recherche Online. Handbuch für Journalisten" erschienen. Es ist das beste zur Zeit erhältliche Handbuch für Journalisten. Autor Jochen Wegner erklärt nicht nur das Internet und kennt den Großteil der Datenbanken sowie viele weitere Gratis-Quellen. Er weiß auch, daß Wirtschaftjournalisten anders recherchieren müssen als Wissenschaftspublizisten oder Lokalredakteure. Jedem widmet er eine speziell auf sine Bedürfnisse zugeschnittene Suche. Leider geht soviel Individualismus auf Kosten der Vollständigkeit. Seine "Kleine Liste der Archive deutschsprachiger Medien" ist etwas sehr klein und ersetzt keinesfalls einen Besuch bei Jankos Medienmonster.Eine Aufstellung fremdsprachiger Archive fehlt ebenso wie die nähere Beschäftigung mit Mailinglisten.Auch das Usenet wird von ihm stiefmütterlich behandelt. Dabei ist die einzige überregional von Journalisten genutzte Newsgroup de.soc.medien immer einen Besuch wert. Auch wenn "Recherche-Online" nicht ohne Mängel ist. Seinen Konkurrenten ist es weit überlegen und den stolzen Preis von 60 DM tatsächlich wert.


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