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Geraubt, geprellt, mit Füßen getreten
Honorar für Fotos im Netz noch lange keine Selbstverständlichkeit
Sprichwörtlich mit Füßen traten rund 100 Fotografen ihre Werke, die als Flickenteppich zusammengefügt vor dem Verlagsgebäude des Berliner Tagesspiegels an der Potsdamer Straße lagen. So protestierten die professionellen Lichtbildner am 1. März gegen die nicht honorierte Veröffentlichung von Fotos auf den Internetseiten des Tagesspiegels und im Schwesterblatt Potsdamer Neueste Nachrichten. Sie übergaben dem Verlag ein Protestschreiben mit mehr als 1000 Unterschriften. Aufgerufen zur unkonventionellen Aktion hatten der Deutsche Journalisten-Verband (DJV), die IG Medien und die Fotojournalistenvereinigung FreeLens e.V. Letztere hatte bereits im vergangenen Jahr für Schlagzeilen gesorgt, weil sich seine Mitglieder gegen die nicht honorierte Veröffentlichung ihrer Bilder auf CD-ROMs des Spiegel gewehrt hatten. Auch in zweiter Instanz hatten sie sich vor Gericht nicht vollständig durchsetzen können (siehe dazu auch mein Editorial vom September 1997). Die Fotografen hatten Tante Tagesspiegel schon vor Zeiten wegen Verletzung der Urheberrechte abgemahnt. Folge: Ihre Fotos wurden nicht mehr abgedruckt, aufmüpfige Fotografen und Agenturen landeten auf einer schwarzen Liste. Länger als ein Jahr stagnierten die Verhandlungen um eine zusätzliche Honorierung für die Veröffentlichung im WWW. Drei Tage vor der Protestaktion erhielten einige Fotografen einen neuen Vertragsentwurf, in dem für eine zusätzliche Verwendung der Fotos zehn Prozent mehr Honorar geboten wurden - das seit zehn Jahren nicht erhöht wurde. Die Reaktionen fielen - auch deswegen - entsprechend aus: von "in der gegenwärtigen Form inakzeptabel" (Manfred Schernberg, FreeLens) bis "ganz einfach unseriös" (Martin Kaemper, DJV).
Daß der heilige Zorn der Bildwerker nun ausgerechnet den Tagespiegel traf, ist vor allem der Bockigkeit seiner Verlagsleitung zu verdanken. Maria Jansen mutmaßt in ihrem Artikel in der Frankfurter Rundschau, daß der Tagesspiegel bei den Preisdrückern ganz vorne mitmischt: So sei er schon 1997 aus dem Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV) ausgetreten, "um sich der Tarifbindung zu entziehen". Andere Verlage verhalten sich geschickter, wenn auch nicht gerechter: So lasse sich nach Aussagen Jansens die Berliner Zeitung die Onlinerechte für den Gruner + Jahr-Onlinedienst Berlin Online durch Pauschalverträge abtreten.
Zu spät für den Tagesspiegel: Ende Januar zogen fünf Bildjournalisten vor Gericht, in der Hoffnung, durch einen Musterprozeß endlich Klarheit in die Sache zu bringen. Nach einem Bericht der Berliner tageszeitung soll der Prozeß Mitte März beginnen.
Urheberrechtsverletzungen im Internet und auf CD-ROM sind für Journalisten nichts Neues: Seit Jahren klagen Text- und Bildjournalisten über die Praxis der Verlage, die deren Arbeit ungefragt und unbezahlt auch in elektronischen Medien veröffentlichen. Die VG Wort und ähnliche Organisationen packen das heiße Eisen nur ungern an, zu kompliziert sind die Grenzen zu ziehen. Zumindest juristisch dürfte es keine Probleme geben: Die gegenwärtige Rechtslage ist völlig klar und eindeutig. Allein: Die Einhaltung des Urheberrechts im Netz ist nicht einmal annährend zu kontrollieren. Was die VG Wort betrifft: Immerhin haben es einige Journalisten geschafft, einige ihrer Netzveröffentlichungen (bzw. die Medien selbst ) bei der VG Wort registrieren zu lassen.
Protest bei Tante Tagesspiegel
(© B.Kannt / FreeLens e.V.)
Indes - die Realität sieht noch anders aus: Einmal beim Klauen erwischt oder lieber gleich abwartend und beobachtend ziehen sich viele Zeitungs- und Zeitschriftenverlage auf die bequeme Ofenbank zurück und verzichten auf Bilder von Freien. Statt dessen sind zunehmend an allen Orten des Netzes dieselben Pixelformationen zu finden: Die der klassischen Nachrichtenagenturen. Sie nutzen ihre starke Stellung im Markt und verkaufen ihre digitalen Fotos lieber gleich im Pauschalpaket.Dabei haben auch die Medienunternehmen selbst allen Grund, die Situation zu klären: Sie dürften kein Interesse haben, sich selbst den Weg zu Inhalten versperren, die sie bisher ohne größere Probleme bekommen haben (Kleiner Lesetip am Rande: In der Netzwelt des Spiegel der Artikel "Das Copyright wird nicht sterben" von Stefan Krempl).
Und das betrifft nicht nur elektronische Bilder und Texte, sondern auch Musik. Just am 1. März, als sich die Fotografen draußen auf der Potse die Füße platt standen, erschien im Tagesspiegel ein Artikel über Internet-Radios von Reinhart Bünger: "Wenn alle Kreativität einfach umsonst ist. Urheberrecht im Internet - herrscht da rechtsfreie Zone?"
Wiedersehn!Janko
KBV (keine besonderen Vorkommnisse)
Still ruht der Datensee
Viel gibt es heute nicht zu berichten. Standardausrede: Magisterarbeit. In den einzelnen Abteilungen habe ich wieder gefrickelt und gebaut, URLs repariert, die Seiten um einzelne Einträge erweitert. Aber heute nix Spektakuläres, keine neuen Abteilungen, keine Sonderseiten, keine Artikel. Dafür ist - wie Du sicher gesehen hast - das Editorial etwas üppiger ausgefallen.
Und ob ich es wirklich schaffe, im April ein Update zu machen, lasse ich mal offen. Ich verspreche nichts. Der Abgabetermin naht unerbittlich, mir steht der übliche Magistrandenschweiß auf der Stirn und ich hoffe, daß Du mir die Daumen drückst. Bald ist es vorbei und dann kann das Monster weiter wachsen...
Uaaargh!!!
That's the way it is.
read U
Janko