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"Nichts als heiße Luft?" oder "Wieweit geht die Recherche?"
Von der bunten Meldung bis zur Phantasterei ist es oft nur ein kleiner Schritt
Tag! Heute zur Abwechselung mal etwas Lustiges vom Nebenkriegsschauplatz:
Erinnert sich noch jemand an die herrliche Geschichte der japanischen Fischer, die weit weit draußen auf dem Meer Schiffbruch erlitten hatten? Sie gaben nach ihrer Rettung an, eine Kuh sei vom Himmel gefallen und habe ihr Boot zertrümmert. Angeblich waren Soldaten der Roten Armee dafür verantwortlich, die übers Meer flogen und aus Spritmangel einen Teil ihrer Schmuggelladung - nämlich eben Rinder - entsorgen mußten Dummerweise traf es dann genau die japanische Nußschale.
Oder diese schräge Geschichte letzte Woche? Auch nicht schlecht: Angeblich hat ein Sieneser Banker mit seiner Frau wilde Spielchen getrieben. Als Batman verkleidet, wollte er vom Schrank aufs Bett springen, um dort seine nackt ans Bett gefesselte Frau zu befreien. Bis dahin nicht weiter berichtenswert, doch dann kams: Dummerweise fiel er vom Schrank und brach sich den Arm. Da sich beide nicht bewegen konnten, mußten sie um Hilfe rufen, großes Gelächter bei den Nachbarn, im Krankenhaus uswusf.
Doch (u.a.) der Berliner Tagesspiegel nahm's für bare Münze und war nicht das einzige deutsche Blatt, das über die Folgen berichtete: So würden sich Sieneser, die sich in letzter Zeit einen Arm gebrochen haben, kaum noch auf die Straße trauen, die Banken würden keine Informationen über Unfälle ihrer Angestellten heruasgeben etc. pp., der Pechvogel sei natürlich unbekannt.
So weit, so lustig. Dummerweise hat ein findiger Journalist (dessen Namen ich leider nicht mehr parat habe, Asche auf mein Haupt) direkt den Nachweis gefunden, daß es sich um eine sogenannte Urban Legend handelt, also eine mehr oder weniger erfundene Geschichte mit eventuell realem Kern, die sich irgendwann verselbständigt hat und nun um die Welt kursiert.
Ich habe mir den Spaß gemacht und bin der Sache nachgegangen, und tatsächlich, in der Mutter aller Netze findet sich die Superhero-Geschichte. Sie existiert gleich in zig Versionen und besonders neu ist sie auch nicht. Umso peinlicher für Zeitungen, die solchen stories einfach auf den Leim statt auf Recherche gehen, nur weil diese Dinge meist von renommierten Agenturen verschickt werden. Andererseits ist es mir persönlich wichtiger, wenn die ausgiebige Recherche am richtigen Thema betrieben wird.
Schräge Dinge gehören nun mal ins Netz, wie unvorstellbar langweilig wäre es ohne sie. Neben den rein erfundenen Geschichten gibt es auch jede Menge an Mischformen zwischen Realität und Fiktion. Urban Tales wie die der japanischen Fischer finden sich massenhaft im Netz, u.a. bei den Urban Legends Reference Pages, wo auch die Batmangeschichte zu finden ist. Und dort es gibt weitaus mehr als mißlungene Sexabenteuer zu lesen. Alle sind auf einer Glaubwürdigkeitsskala von ein bis vier bewertet worden. Und wenn's noch nicht genug ist: Jede Suchmaschine schüttet massenhaft dieser Geschichtensammlungen aus. Viel Spaß beim Suchen...
Selten so gelacht, als mir diese Geschichten auf den Schirm liefen. Die besten Geschichten schreibt aber immer noch das Leben selbst. Getoppt wird die Fiktion immer noch von den Widrigkeiten des Lebens, vor allem, wenn sie auch noch verbürgt sind: Die Darwin Awards haben mich wirklich von Stuhl gekippt. Dort wird der Preis nur verliehen, wenn die Unglücke nachgewiesenermaßen so passiert sind. Wie vielleicht der Netzgemeinde bekannt sein dürfte, geht es um die Todesfälle, mit denen sich Menschen auf die denkbar dämlichste Weise aus dem Genpool der Menschheit entfernt haben. Das schließt neben Geschichten mit Todesfolge auch Kastration ein. Selbst der Spiegel reihte sich im vergangenen Jahr mit ein paar Best-Ofs in die Reihe der Bewunderer ein - leider ist der Artikel nicht online vorhanden.
Ohne groß moralisieren zu wollen: In Tageszeitungen lese ich so etwas nicht so gerne, nicht einmal unter Vermischtes oder Aus aller Welt. Auch und erst recht nicht, wenn's nur Agenturmeldungen sind: Die Seriosität scheint mir für den Gag doch unnötig gefährdet. Die stories sind ja meist sehr lustig, und wer keinen Netzzugang hat, kommt an die aktuellen Dinge nicht heran, aber man könnte sich zur Not ja einschlägige Bücher zum Thema kaufen, etwa Ralf W. Brednichs "Die Spinne in der Yucca-Palme".
Kein vorgezogener Aprilscherz dagegen ist die Meldung, die in den letzten Tagen durch die Presse rauschte: Die Werbeagentur WAN aus Bünde/Westfalen wollte vom Bundesumweltministerium die Castor-Behälter für je 100.000 DM als Werbefläche anmieten. Kamerapräsenz und öffentliche Aufmerksamkeit bekommen die Atommülltransportbehälter tatsächlich ausreichend.
Laut Berliner Zeitung vom 31.3.98 prüft das Ministerium seit dem 20., ob nicht doch eher die Deutsche Bahn oder die Gesellschaft für Nuklearservice zuständig seien. Der Berliner Zeitung gegenüber sagte Agenturchef Bernd Anker allerdings, daß es sich vorerst nur um einen Gag handele. Sollte tatsächlich Werbung auf dem Castor erlaubt werden, würde man doch über eine Realisierung der Idee nachdenken: Ein Möbelhaus aus Preußisch Oldendorf habe schon Interesse bekundet.
Wiedersehn!Janko
Kleinvieh macht auch Mist...... und davon gab es diesen Monat einigen. Fangen wir an mit Statistik (dann isses erledigt).
Den Bereich Internetnutzung habe ich geringfügig überarbeitet. Nun stehen drei neue features allen immer zur Verfügung - ich habe mich nämlich oft schon krüppelig gesucht:
Zuerst habe ich eine - hoffentlich - vollständige Liste der Domain-Name- Endungen gebastelt, und zwar einmal Länderkennungen sortiert nach Endungen mit englischsprachigen Ländernamen, dann ist die Abkürzungspraxis nämlich leichter nachvollziehbar.
Die gleiche Liste gibt's dann aber auch nach deutschsprachigen Ländernamen sortiert, damit man zügig das passende Kürzel findet.
Last not least habe ich eine Suchmaske eingebaut, die eine Datenbankabfrage nach angemeldeten Domains in den WHOIS-Beständen von DENIC, RIPE und InterNIC erlaubt.
Diesen Krempel habe ich jetzt als Zahlen im Internet auch noch mal über die Suchmaschinenseiten eingebunden, damit es nicht ganz verloren geht.
Nextes Thema: Wie Du sicher bemerkt hast, befindet sich endlich eine interne Suchmaschine auf der JMM-Startseite. Recht vorteilhaft, weil man sich manchen Umweg sparen kann, sicher. Es reicht sogar, Wortbestandteile einzugeben, alles ist frei kombinierbar, so weit, so gut.
(Bisheriger) Nachteil an der Sache ist Folgendes: Die fleißige Volltext- Suchmaschine scannt natürlich auch die Meta-Tags der jeweiligen Seiten. Mir ist selbst erst bei einer Anfrage (auf der Suche nach meinen eigenen Informationen) aufgefallen, daß die Seiteninhalte nicht immer mit den Angaben in den Meta-Tags übereinstimmen. Bitte nicht flamen, das war keine Absicht. Mit und mit werde ich die überflüssigen Tags entfernen, das dauert natürlich länger als sie reinzusemmeln.
Und noch was für journalistisch Interessierte: In der Abteilung Journalismus gibt es jetzt eine neue Seite zu deutschen (und ein paar internationalen) Medienanstalten.
Überhaupt habe ich vergangenen Monat die unschöne Aufgabe auf mich genommen, die Bereiche Journalismus und Suchen im Layout einmal endlich anzupassen. Neuigkeiten inhaltlicher Natur gibt es noch mal bei den Radiosendern: Die ausländischen Sender sind jetzt nach Europa, Amerika, Asien, Afrika und Ozeanien sortiert.
Afrikaner und Ozeanier mögen mir verzeihen, daß ich ihnen nur eine gemeinsame Seite zubillige: Aber ich habe einfach noch zu wenige Stationen im Netz gefunden - und ich muß inzwischen mit meinem Providerplattenplatz etwas sparsamer umgehen (harhar).
Zu guter Letzt: In den Zeiten der Telefon-Deregulierung habe ich (nur) zwei (aber die besten) Tarifdatenbanken aufgenommen, die dem werten User verraten, über welchen Call-by-Call-Anbieter er am billigsten seine Verbindung gebastelt bekommt. Das Ganze liegt auf der Rechercheseite im Bereich Journalimus - die sonst natürlich noch nicht genügend ausgebaut ist, ich weiß, ich weiß.
So, das wars für diesen Monat. Zuallerletzt ein kleiner fieser Test, ob diese Seite überhaupt gelesen wird: Einen Monat nach Jankos Media Monster habe auch ich Geburtstag, & zwar am 3. April. Über eine Geburtstagsmail würde sich das König unter die Webmaster sicher freuen (das ist der Test).
Ach, und so ganz nebenbei: Ich kann ja nix dafür, aber dieser unser Kanzler und Boris Becker haben - soweit ich weiß - ebenfalls an einem 3. April das Licht der Welt erblickt. Vielleicht wird ja doch noch etwas aus mir...
Thanx a lot.
That's the way it is.
read U
Janko