|
Startseite |
|
Inhaltsverzeichnis Ältere Editorials |
Frisch aus der Presse: Neues Buch über Online-Journalismus
Eichstätter Wissenschaftler bringt Handbuch zum Thema heraus.
Deutschlands Süden ist recht rührig, was Online-Zeitungen angeht. Das betrifft nicht nur die Zeitungen selbst, von denen auch die ganz Kleinen oft schon im Netz mitmischen. Epizentrum der Forschung sind die Lehrstühle für Journalistik an der Katholischen Universität Eichstätt. Nach der der ersten wirklich umfassenden Untersuchung zu deutschsprachigen Tageszeitungen im WWW "Online - Die Zeitung der Zukunft?" (siehe auch mein Editorial 2/98) kommt nun wieder etwas Grundlegendes aus der Publizistenschmiede:
Der Diplomjournalist und wissenschaftliche Mitarbeiter Klaus Meier hat gerade ein Buch mit dem sachlichen Titel "Internet-Journalismus. Ein Leitfaden für ein neues Medium" herausgegeben.
Da dieser Platz im Netz inzwischen bekannt dafür sein dürfte, daß sein Autor sich für dieses Thema sehr interessiert, sei hier nur vorangestellt, daß demnächst eine ausführliche Rezension folgen wird. Als Kurzhinweis soll für heute reichen: Das Buch ist in sieben große Kapitel aufgeteilt und wird dem im Vorwort gegebenen Anspruch nach erstem Augenschein gerecht, sich an der journalistischen Praxis zu orientieren und weder in technische noch in philosophisch-soziologische Sphären abzuheben. On verrà!
Als Appetizer schon mal die grobe Einteilung:
Klaus Meier schreibt über "Neue Journalistische Formen", Jens Schröter über "Medienverzeichnisse und journalistische Angebote". Auf dem Fuße folgt noch einmal Klaus Meier mit "Grundlagen journalistischer Recherche im Internet", Martin W. Behring und Martin Virtel verraten einiges über "Recherchepraxis und Tips von Journalisten", Christoph Neuberger, der auch beim Onlineforschungsprojekt beteiligt ist, testet das "Medienwissen aus dem Internet" und Matthias Biebl (ebenfalls beim Forschungsprojekt) beschäftigt sich mit der "Internet-Redaktion". Im siebten und letzten Teil beleuchten (wieder einmal) Klaus Meier und Frauke Höbermann die "Ausbildungswege und Weiterbildungsangebote".
Und wie soll ich es sagen: Mit stolzgeschwellter Brust habe ich auch schon diesen meinen Heimat-URL im Buch entdeckt.
Ich sage: "Danke!"
Klaus Meier (Hg.): Internet-Journalismus. Ein Leitfaden für ein neues Medium. Konstanz, 1998.
UVK Medien (Reihe Praktischer Journalismus, 00035), 344. Seiten, broschiert, ISBN: 3-89669-233-X, Preis: 42,- DM
Eine VLB-Bestellung auch schon möglich.
Boys 'n' Balls
Spezialisierte Suchmaschinen machen Onlineredakteuren das Leben schwer.
Frischer Rückenwind für Infojunkies: Seit Montag, den 20.4., ist Paperball am Netz. Die Suchmaschine bedient sich nur aus dem Angebot deutscher Onlinezeitungen, nach eigenen Angaben werden z.Zt. ca. 4000 tagesaktuelle Artikel aus zur Zeit 45 deutschsprachigen Tageszeitungen indiziert. Die Artikel werden nach Aussage der Macher rund um die Uhr referenziert, damit eine hohe Aktualität möglich ist.
Auf der Homepage wird der Surfer mit einem (!) Artikel empfangen, er kann in eine Maske Suchbegriffe eingeben und auswählen, ob er aus dem allen Zeitungen oder nur einer bestimmten Zusammenstellung Artikel auswählen lassen will.
Ebenso verfährt man mit den Ressorts: Entweder läßt man den ganzen Datenbestand durchwühlen oder man schränkt sich ein auf Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur, Lokales oder Vermischtes.
Nebenan wartet der Wetterlink: Neben einer Deutschlandkarte mit dem Übersichtswetter können - übersichtlich sortiert - 50 Wetterregionen ausgewählt werden, es gibt dann jeweils eine Vorhersage über drei Tage mit Tag- und Nachtemperatur sowie einem kleinen Symbol zum (Sonnen-) Stand der Dinge. Praktischerweise kann man sich gleich ein Lesezeichen für seine Wetterregion setzen, um später beispielsweise direkt das Berliner Wetter abzurufen.
Paperball läßt sich auch personalisieren: Der Surfer kann eigene topics in einer Liste anlegen, die nach der Eingabe von Username und Password aufgerufen wird, wenn er den Dienst wieder aufsucht.
Jedes Ressort läßt sich mit beliebig vielen Zeitungen (wahlweise allen) bestücken, zusätzlich lassen sich individuelle Rubriken unter einem selbstgewählten Titel einrichten. Diese Angaben lassen sich nachträglich auch ändern oder erweitern. Ein paar persönliche Angaben noch, und fertig ist die Laube.
Die Namensgleicheit zur Suchmaschine Fireball ist kein Zufall, denn Paperball ist das kleine Schwesterchen der inzwischen recht bekannten (und IMHO sehr effektiven) Suchmaschine. Entwickelt wurden beide Systeme an der Technischen Universität Berlin, spezielle Programmiergimmicks wie ein System zur dynamischen und kontextsensitiven Werbeeinblendung sind auch für die Werbetreibenden sicher sehr interessant, weil es zielgruppenorientierte Werbung ermöglicht. Betrieben werden beide Systeme von der Gruner + Jahr Electronic Media Service GmbH.
Ein ganz ähnliches Angebot gibt es schon seit einem guten halben Jahr: Paperboy ist nach ca. einjähriger Entwicklungs- und Test-Phase seit September 1997 online.
264 Zeitungen, Zeitschriften, Presseabteilungen, Webanbieter wie Suchmaschinen etc. standen am 28.4.98 in der Liste der durchsuchten Quellen. Im Gegensatz zu Paperball zwar viel mehr, aber dafür auch etwas unschärfer: Die Anbieter reichen von den Adobe Press Releases bis zur Zürich Online, dazwischen liegen so verschiedene Anbieter wie das Auswärtige Amt, die vom japanischen ins deutsche übersetzte Ausgabe der Asahi Shimbun, Asahi Dahlem, Artikel und andere Daten kommen aber auch aus dem Chicago Mercantile Exchange, aus Sat Einsens ran oder der Presseabteilung von Siemens. Überwiegen noch die deutschsprachigen Quellen, sind dann vor allem englischsprachige Anbieter vertreten, deswegen gibt's auch einen Paperboy auf englisch. Eine Besonderheit hat der Paperboy noch: Er verschickt die Nachrichten auf Wunsch per mail.
Als drittes Angebot in dieser Richtung firmiert newscan. Ausgewiesen als Nachrichtensuchmaschine für Wirtschaft und Technik, stehen aber auch Nachrichten aus anderen Themen, etwa zu Berlin und Brandenburg, drin. Die ebenfalls mehr als 250 Quellen stammen überwiegend aus dem deutschen Sprachraum, die internationalen sind etwas rarer gesät. Dafür kann newscan neben Meldungen aus Zeitungen, Zeitschriften und von Unternehmen auch mit einigen Behördendaten aufwarten. Auch einen Wetterservice gibt's: In Form eines Links auf die jeweilige Wetterregion bei donnerwetter.de. Wie bei den anderen beiden Maschinen kann der User einen persönlichen Suchagenten installieren. Zusätzlich gibt es einen email- und Fax-Service. Und Push scheint auch noch nicht tot zu sein: Der Nutzer kann nach dem Laden der Pointcast-Software einen eigenen newscan-Push-Channel einrichten.
Einen generellen Nachteil haben alle diese Nachrichtensuchmaschinen: Viele Treffer zum Thema erinnern an die Unübersichtlichkeit im Netz, schlimmer ist jedoch ein anderes Problem: Die Daten werden natürlich nicht archiviert. Die Suche nach Pressemeldungen zum Paperballstart etwa waren - mit der üblichen Verzögerung im Printbereich - noch ein, zwei Tage später zu finden, eine Woche später aber natürlich nicht mehr. Auch eine Anfrage bei Fireball lief ins Leere. Also ist dieser Service auch nur sehr eingeschränkt nutzbar, weil keine breite Datenbank angelegt wird, sondern die Services tatsächlich nur tagesaktuell sind.
Auch beim Paperboy läßt sich eine persönliche Version einrichten, ein paar wenige Angaben reichen dafür, man ist nicht ganz so neugierig wie beim Paperball.
Was allen dreien gemein ist: Sie linken nicht in Framesets, sondern nur auf die jeweilige Content page. Das gibt oft Probleme, wenn die Anbieter ursprünglich Framesets verwenden, von denen ein Frame für Werbeanzeigen reserviert ist. Daher werden sich beide Anbieter nicht nur Freunde in den Onlineredaktionen machen. Der Paperboy versucht sich schon im FAQ - in etwas wackligem Deutsch - zu rechtfertigen:
"Die Zeitschriften finanzieren Ihr Online-Angebot in der Regel über Werbung. Der Paperboy zeigt dem Kunden ja nicht den Volltext, sondern linkt auf die Zeitschrift, d.h. am Ende hat die Zeitschrift ihre Werbung doch einblenden können. Der Paperboy bringt den Quellen sogar neue Hits, nämlich die von interessierten Leute, die so nicht nur in den Top-3-Publikationen online lesen, sondern auch in anderen Publikationen. Der Paperboy abstrahiert von dem Verlag auf den Inhalt. Wir sind der Meinung, daß die Publikationen sogar ein Interesse daran haben sollte, bei uns als Quelle gelistet zu werden." Soweit, so gut. Ob das allerdings die Redakteure befriedigen wird? Ich wage es zu bezweifeln. Denn bei den wenigsten Onlinezeitungen sorgen Scripte dafür, daß auch das passende Frameset und damit auch der Werberahmen geladen wird.
Denn allmählich wird es ernst: Die Frage, wieweit Links zu Angeboten anderer Anbieter statthaft sind, sollte endlich entschieden werden. Schon auf der politischen Ebene gab es keine Klarheit, als Angela Marquardt (PDS) vor Gericht zitiert wurde, weil sie einen Link zur indizierten Radikal gesetzt hatte: Das Gericht drückte sich um eine eindeutige Aussage, welche Links statthaft sind und welche nicht. (Weiterführende Links dazu gibt es in den Editorials Januar/Februar '97, April '97 und Juli '97.)
Im wirtschaftlichen Bereich ist das nicht anders: So hat etwa die Berliner Morgenpost die Macher von D-Immo abgemahnt, auch nur mit einem Link auf den Immoblilienteil ihres Anzeigenteils zu verweisen - D-Immo bereibt u.a. unter dem Namen Avocado ein Verzeichnis, in dem sich schnell Anzeigenmärkte im Netz finden lassen.
Letzten Endes fällt die Auswahl schwer, für welche der drei Nachrichtensuchmaschinen man sich entscheiden sollte. Profile und Leistungen sind relativ ähnlich, die Benutzerführung unterscheidet sich nicht wesentlich voneinander, und sie bieten alle drei die genannten Vor- und Nachteile. Tja, das übliche Netzproblem... was nehm ich denn nur?
Und zum Schluß noch'n Link: Wer sich dafür interessiert, wie Gruner + Jahr sich in diesem Markt breitmachen und warum die Paperboybetreiber sauer auf die Paperballeute sind, kann das nachlesen in der neuesten Ausgabe von Internet Intern.
Paperboy ist ein Service des Heurics Systemhaus
Leonhardtstraße 8
30175 Hannover
Tel: +49-171-6422550
Email: webmaster@paperboy.netPaperball ist ein Dienst der Gruner + Jahr Electronic Media Service GmbH
Am Baumwall 11
20459 Hamburg
Tel. +49 (0) 40 3703 770
Fax. +49 (0) 40 3703 7759
Projektleitung: Dr. Detlev Kalb
Anzeigenleitung: Stanton A. Sugarman
Screen Design: Tom Stölting
Serverbetreuung: webmaster@paperball.de
Softwareentwicklung: Technische Universität Berlin FLP/KITnewscan-online wird betrieben von der smart information services GmbH
Heinrich-Mann-Allee 105 b
14473 Potsdam
Tel.: (0331)-270 80 60
Fax: (0331)-270 80 61
E-Mail: smart-information@tecnet.de
Verantwortlich: Kai Schirmer
Projektleitung: Axel Müller
Wiedersehn!Janko
Last OrderSo, hier wird's ausnahmsweise kurz, Neues gibt es dennoch: Gründlich überarbeitet wurde diesmal die Liste der Vereine, Verbände und Berufsorganisationen für Journalisten. Die Seite mit den Medienanstalten ist ebenfalls gewachsen. Nein, nein, es sind keine neuen Anstalten eröffnet worden, sondern ich habe die bestehenden Angebote lediglich kommentiert.
Neu dazugekommen: Eine Liste der kostenlosen Zeitungsarchive in Deutschland. Sie baut auf der Liste von Tobias Gehle auf, ist aber korrigiert und erweitert worden.
Und was hier weniger hingehört: Die Motorradseite ist etwas renoviert worden. Immer noch nicht besonders schön, aber dafür gibt's ein paar Bilder zu laden.
Wie üblich habe ich meine Listen durchforstet, tote Links entfernt und neue eingebaut, viele der Veresserungen sind mit bloßem Auge kaum zu finden. Selbst ich benutze inzwischen öfter mal die interne Suchmaschine, um meine eigenen Links wiederzufinden. Locker bleiben... Hinweise auf tote oder falsche Links sind trotzdem immer noch und immer wieder willkommen. Ich mache das schließlich alleine und kann soviel Zeit auch nicht aufbringen.
Apropos: Das soll's dann für die nächste Zeit auch erst einmal gewesen sein, weil ich sehr viel Zeit am Schreibtisch verbringen muß. Es wird zwar weiterhin regelmäßige Updates geben, aber ein wenig zurückziehen muß ich mich dennoch - wenn auch auf Zeit, versprochen.
That's the way it is.
read U
Janko