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Parteien auf Draht
Onlinepräsenzen der Politiker werden für den Wahlkampf auf Hochglanz poliert.
Rotgrün geht's los: Mit dem berüchtigten Ü steigen die Grünen nicht nur auf Plakaten, sondern auch im Internet in die Wahlkampfarena. Schon auf der ersten Inhaltsseite dokumentieren die Grünen ihr umstrittenes Programm zur Bundestagswahl. Die teilweise auch in der Partei umstrittenen Positionen und Beschlüsse, etwa zum zukünftigen Benzinpreis oder zur Abwendung von der NATO - alle lassen sich hier im Wortlaut nachlesen.
Das WWW bietet gute Möglichkeiten zur Meinungsbildung, weil sich ohne großen Aufwand die Wahlprogramme der Parteien vor der Entscheidung am 27. September nachlesen lassen. Dabei nutzen die (nur früher?) so technikfeindlichen Grünen das Instrumentarium perfekt: Wer sich für die Partei interessiert, kann sich halbwegs maßgeschneidert die Beschlüsse zu bestimmten Themen zuschicken lassen. Ein Diskussionsforum lädt zum Mitdiskutieren - offensichtlich wird es stark genutzt. Es gibt eine Terminliste und einen email-Journalistenservice, die Krönung bietet jedoch das Beitrittsformular zum Ausdrucken. Unverständlich, wieso die Grünen dann ihren Internetexperten Manuel Kiper aus dem Bundestag manövrieren. Mehr dazu im passenden Spiegelartikel, in dem Christiane Schulzki-Haddouti u.a. auch die Grünen-Homepage kritisiert.
Nicht nur die Grünen beginnen die Präambel ihres Wahlprogramms mit "Es ist Zeit für einen Wechsel". Bei der SPD heißt es zum Verwechseln ähnlich "Die Zeit ist reif für den Wechsel". Statt auf der seriöser gestalteten Parteiseite zu landen, wird der User sofort auf die poppigen Wahlkampfseiten umgelenkt. Brüche auch hier: Auszüge aus einem Chat-Interviews mit Gerhard Schröder sollen Aufgeschlossenheit und Bürgernähe demonstrieren, dagegen erinnert das stark rißgezoomte Foto des Kanzlerkandidaten - in staatsmännischischer Pose im Kreise wißbegieriger Journalisten - doch sehr an die letzte Kanzlerkampagne Kohls. Wer sich allerdings zur tatsächlichen Homepage der Partei durchklickt, findet auch hier das Grundsatzprogramm. Und noch'n Bruch: Kindereien wie der Sprechblasenwettbewerb sind vielleicht unterhaltsam, aber doch etwas fragwürdig.
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Die Regierungsparteien kontern recht unterschiedlich
Und die Verteidiger? Gesammelt treten sie im Youngnet auf, einem Service der Bundesregierung. Frischer html-Code für Kinder und Jugendliche, die politischen Inhalte locker eingetreut zwischen Angeboten, die mit Politik gar nichts zu tun haben. Die Seiten wegen einiger Schnitzer jedoch nur bedingt zu empfehlen: So wird auf der Bundestagsseite die PDS-Gruppe im Bundestag einfach unterschlagen.
Pathetischer geht's bei der CDU zu: "Das 21. Jahrhundert menschlich gestalten" wollen die Christdemokraten. Ein Special zum 10. Parteitag und das "Zukunftsprogramm Vision für Deutschland" ist in voller Länge in mehreren Formaten abrufbar, neben dem Onlinemagazin "Politik Online" wird auch ein hochfrequentiertes Diskussionsforum angeboten. Eine eigene Abteilung Wahlkampf sucht man zwar vergebens, aber mit Erklärungsen des Bundeskanzlers und Toasts von Roman Herzog versucht sich die CDU im Web zu profilieren. Unter "Aktuell" findet sich zuvörderst eine offiziöse Darstellung der Umweltministerin Merkel zur Castorproblematik, fast so aktuell ist die Kurzform der Beschlüsse des Bundesvorstands zum Parteitag, die anderen aktuellen Artikel datieren rückwärts bis zum 16. April, darunter Toasts von Roman Herzog, Analysen des Wahlverlaufs in Sachsen-Anhalt etc p.. - insgesamt wohl kaum geeignet, Wechselwähler umzustimmen.
Grüß Gott in Bayern! So eröffnet die CSU ihre Webpräsenz. Selbst die Senioren-Union der CSU wirbt schon mit Java, ein Gewinnspiel zu urbayrischen Eigenschaften wird komplett mit Shockwave in Szene gesetzt. Extreme Ladezeiten sind die Folge, den Browser kann man nach dem CSU-Besuch meist erst mal neu starten. Inhaltlich geht es die CSU etwas geruhsamer an als die große Schwester, aber auch hier ist ein Grundsatzprogramm abrufbar. Der Wahlkampf scheint jedoch nur eine Nebenrolle zu spielen.
Die Partei mit den drei (Prozent-?) Punkten - genau, die F.D.P. - bietet u.a. die Möglichkeit, im Liberal Verlag Werbemittel zu bestellen und öffnet dem Websurfer eine grafisch verspielte "Wahlkampfwerkstatt", in der die Vertreter der Partei vorgestellt werden, aber auch Plakate und Slogans zu betrachten sind. Darunter auch "verschärfte Varianten", die nicht realisiert werden konnten. Beispiel: "Protestarier aller Länder, beruhigt Euch." Auch die Auslegerparteien kämpfen im Netz um einen Platz im Bundestag
Der Auftritt der PDS ist völlig uneinheitlich. Unter mindestens drei verschiedenen Adressen kann man auf die Seiten der Partei zugreifen. Beim tieferen Einstieg wird es noch komplizierter: Die PDS-Präsenz ist über zig Server in der BRD verteilt - und es wird immer weiter verzweigt. Allerdings gibt es eine zentrale Wahlkampfabteilung im Netz. Interviews, Grundsätze, das Wahlprogramm und ein ganzer Stapel weiterer Dokumente können hier abgerufen werden, es gibt auch ein - im Vergleich zu den großen Parteien - leidlich besuchtes Forum. Ein mail-Newsletter wird hier nicht nur Journalisten angeboten. Das Angebot ist teilweise nett aufbereitet, aber eine mindestens ebenso leseunfreundliche Buchstabensuppe wie diese Seite (räusper). Textwüste ohne Ende, informativ, aber ermüdend am Schirm zu lesen.
Und weil sie so ins Gerede gekommen ist, noch ein distanzierter Blick auf die DVU. Auch hier ist ein - orthographisch nicht ganz korrektes - Parteiprogramm abzurufen. Man ist mit Namen und email-Möglichkeiten sehr zurückhaltend, aber dafür gibt es eine Stammtischliste. Auf der Verlagsseite des Parteichefs Gerhard Frey findet sich eine weitere Seite zur DVU, offiziell als Service für die Leser der National-Zeitung und der Deutschen Wochen-Zeitung deklariert. Hier lassen sich die Dokumente aus dem Gespensterwahlkampf in Sachsen-Anhalt im pdf-Format abrufen.
Im Layout mit Frakturschrift und runenartiger Symbolik auf rechtsextrem getrimmt, im Inhalt jedoch alles andere als das: Die Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands, die u.a. das Recht auf Arbeitslosigkeit bei vollem Lohnausgleich fordert, hat es bei der Hamburger Bürgerschaftswahl 1997 immerhin auf 0,1% der Stimmen gebracht. Jüngster Erfolg: Die Zusammenarbeit mit Christoph Schlingensiefs Wahlkampfprojekt Chance 2000. Die Netzvertretung der Partei ist völlig chaotisch, aber sehr spannend aufbereitet, es gibt für Schlingensief zahlreiche prominente Unterstützer und Mitglieder wie Talkmaster Alfred Biolek oder Modeschöpfer Wolfgang Joop, etc. pp. Und für die Medienmenschen: Niklaus Luhmann hat das Unterstützungsformular unterschrieben und der Spiegel ein Diskussionsforum zum Thema eingerichtet. Sammelangebote helfen den Überblick zu bewahren
Bleibt am Ende die Frage, wer im Wahlkampf noch die Übersicht behält. Auch dafür gibt's Angebote im Netz: Wahlkampf '98, initiiert von zwei 21jährigen Hamburgen, werden Meldungen aus 15 großen deutschen Medien verarbeitet, die Teilnehmer stammen aus Print, Höfunk und Fernsehen. Hier werden unter anderem Chats mit Politikern angeboten, ein Newsletter mit Archiv, eine Online-Wahl, Diskussionsforen und massenhaft interessante Hintergrundinformationen. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach eine der besten deutschen Sites zur Wahl. Hier findet man zu jedem Aspekt etwas.
Wahlstreet.de ist ein gemeinsames Angebot der Zeit und des Berliner Tagesspiegels. Hier können in einem ernsthaften Spiel Parteiaktien gehandelt werden. Zuerst für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eingesetzt, können Netzbörsianer jetzt auch mit den Ergebnissen der Bundestagswahl spekulieren. Wer in der Prognose am besten ist und am Ende möglichst dicht am vorläufigen amtlichen Endergebnis liegt, kann sogar ein paar Mark machen... Dieser Political Stock Market hätte auch von den Briten stammen können. Interessant ist dieses Angebot wegen der sehr kurzfristigen Schwankungen der Kurse. Als richtiges Prognioseinstrument scheinen sie mir eher fraglich zu sein, aber Spaß macht's auf jeden Fall.
Auch das Bundesamt für Statistik reiht sich in den Reigen der Anbieter zum Bundestagswahlkampf. Aktuelle und Hintergrundinformationen, Ergebnisse zurückliegender Wahlen, Rechtsgrundlagen etc. pp.: Hier findet sich eine Menge Material.
Als letztes möchte ich noch kurz die Euroäische Datenbank Frauen in Führungspositionen vorstellen. "Do Women make a Difference?" fragt das FrauenComputerZentrumBerlin (FCZB). Ansonsten werden hier Daten zu Frauen gesammelt, die politische Führungsrollen in der EU übernehmen.
Parteien Andere Angebote www.spd.de www.statistik-bund.de/wahlen www.cdu.de www.wahlkampf98.de www.csu.de www.wahlstreet.de www.gruene.de www.db-decision.de www.fdp.de www.youngnet.de www.pds-online.de www.dvu.net www.appd.de www.chance2000.com Weitere Angebote deutscher Parteien in meiner Politikabteilung.
Wiedersehn!Janko
Seitenumbau, neue Angebote und wieder mal RoskildeDiesen Monat hat sich - eigentlich eher widerwillig - einiges getan. Ich habe mich dazu durchgerungen, die Schwergewichte ein wenig zu verschieben. Der Journalismusbereich ist mittlerweile so groß geworden, daß er es wohl verdient, oben in der Menüzeile genannt zu werden. Oder?
Und deswegen sind gleich noch zwei dicke Brocken dazu gekommen: Die Neuzugänge: Mailinglisten und Newsgroups für Journalisten. Ein praktisches Arbeitsinstrument, das ich niemandem vorenthalten möchte.
Der trockenste Job im Mai war das Anlegen der zweiten neuen Abteilung "Dokumente": Der gesamte Content wurde hier während des schönsten Wetters reingeknallt und zurechtgebastelt. Es soll eine Sammlung werden aus Selbstgeschriebenem, Gesetzen, Richtlinien und anderen Texten, die für Medienmenschen und besonders für Journalisten von Interesse sein sollten, könnten, müßten, sind.
Das möchte ich regelmäßig ausbauen, soweit meine Zeit es zuläßt und bis das absolute Plattenlimit bei meinem Host erreicht ist. Zur Zeit findest Du hier schlappe 5,3 MB an Informationen (offiziell darf ich sowieso nur 2 MB belegen). Vorschläge für diesen Bereich werden gerne angenommen.
Und es gibt noch mehr zur Kopfzeile zu sagen: Die Abteilung Uni ist ersatzlos rausgeflogen (ich hätte eh' nie wieder etwas dran getan), dafür habe ich die Persönliche Seite reingenommen, außerdem die Motorradseite komplett neu aufgebaut und oben auch gleich mit verlinkt. Jetzt gibt's 16 schicke Motorradseiten zur Auswahl - aber nur für die, welche Spaß an dieser Art der Fortbewegung haben.
Ich verabschiede mich diesen Monat mit einer Meldung über den Spaß, der für mich dieses Jahr leider keiner sein wird: Ich kann dieses Jahr nicht zum Roskilde Rockfestival nach Dänemark fahren, habe aber für alle anderen Glücklichen und Interessierten die aktuelle Bandliste ins Netz gestellt. So, Schluß mit lustig, wer noch Tickets braucht, sollte sich sputen.
That's the way it is.
read U
Janko