Umsonst und draußen

Öffentliche Newsserver machen unabhängig vom News-Angebot des eigenen Providers: Sie schaffen Zugang zu special interest groups, Firmensupport, aber auch zu indizierten Angeboten.

Wem ist das noch nicht passiert: Man bekommt eine interessante mail zugeschickt, die auf einen Artikel in einer Newsgroup verweist — nur ist diese leider nicht auf dem lokalen News-Server zu finden. Was tun? Es gibt eine einfache Möglichkeit, sich diese newsgroup trotzdem auf den eigenen Schirm zu holen: Nämlich sich bei einem öffentlichen News-Server anmelden.

Netzbenutzer verzweifeln oft an der Unübersichtlichkeit im WWW. Wenn es um schnelle und effiziente Recherche geht oder Diskussionspartner gesucht werden, sind auch präzise zu bedienende Suchmaschinen nicht immer der Weisheit letzter Schluß. Abhilfe schafft oft der News-Dienst, auch NNTP (News Network Transport Protocol) genannt. Er ist neben wais, gopher oder ftp einer der Standarddienste im Internet. Newsgroups sind die schwarzen Bretter des Internet. Hier treffen sich special-interest-Gruppen, um sich über bestimmte Themen auszutauschen, in eigenen Gruppen bieten Firmen und Organisationen technische Unterstützung und Produktinformationen an, im Prinzip gibt es zu jedem erdenklichen Thema auch eine Austauschmöglichkeit. Die Diskussionen werden fast alle auf englisch geführt und sind in der Regel allgemein zugänglich. Zahlreiche lokale oder thematisch gegliederte Untergruppen bieten sehr spezielle Informationen und Diskussionsforen.

Der Haken am News-Dienst: Nicht alle newsgroups werden auf allen Servern angeboten. In der Regel hat ein Netzbenutzer Zugang auf den News-Server des eigenen Providers, der eine bestimmte Anzahl von newsgroups auf seinem Rechner bereithält. Das sind meist Themen von allgemeinem Interesse, Gruppen wie biz für Business, alt für alles "Alternative", de für deutschsprachige Angebote, soc für alles, was mit gesellschaftlichen Phänomenen zu tun hat, misc für die berühmten unsortierbaren Gruppen und so weiter und sofort. Die Zahl dieser Gruppen ist unüberschaubar groß und geht in die Zehntausende, alleine bei der Hauptkategorie comp für computerrelevante Inhalte finden sich zur Zeit 825 Untergruppen.

Provider treffen eine news-Auswahl

Bestimmte newsgroups aber fallen durchs Raster. Das kann mehrere Gründe haben: Der Speicherplatz kostet den Provider immer noch eine Menge Geld. Deswegen liegt eine Beschränkung auf vielgenutzte newsgroups nahe. Aber es gibt auch inhaltliche Gründe: Viele Newsgroups sind zu spezialisiert, als daß sie einer großen Menge von Usern zur Verfügung stehen müßten. Die Anzahl der Netizens, die sich z.B. für den technischen Support der Firma Stardivision (news://jaguar.stardiv.de) interessieren, dürfte relativ gering sein. Dasselbe gilt für Themen mit Lokalbezug: Die Rheinzeitung etwa bietet mit ihrem Newsserver (news://news.rhein-zeitung.de) ein Forum an, das den Lesern der Papier- und der Onlineaugabe das Schreiben von Leserbriefen möglich macht und andererseits Unterstützung bei technischen Problemen bietet. Und Informationen über das Land Thüringen und die internen Diskussionen der Thur.net-User unter news://news.thur.de müssen auch nicht unbedingt der ganzen Netzwelt zur Verfügung stehen. Noch offensichtlicher wird der freiwillige Verzicht beim Informationsaustausch kleinerer Gruppen, ob es Taubenzüchtervereine oder kommunale Parteivertretungen sind, die hier ihre Pressemitteilungen posten.

Und aus noch einem anderen Grund werden newsgroups nicht in den Verteiler des Providers aufgenommen: Wenn darüber Inhalte verteilt werden, die in Deutschland indiziert sind, wie etwa Fotos mit harter Pornographie, die neben vielen anderen Aufnahmen auch in alt. binaries.pictures. angeboten werden. Folgerichtig sind diese Newsgroups auf deutschen Universitätsrechnern überhaupt nicht mehr zu finden. Neben den ethischen und rechtlichen Gründen kommt auch hier wieder der pekuniäre hinzu: Es ist wie im WWW und bei email möglich, nicht nur ASCII-Text zu verteilen, sondern auch Binärdateien, also Bilder, Sounds etc. Aber diese Dateien sind relativ umfangreich und führen schnell zur Leitungsverstopfung. Deswegen sind sie bei Providern nicht gern gesehen.

Von Betreiberseite gibt es andererseits handfeste Interessen, ein spezielles News-Angebot zu machen: Wer es schafft, viele newsgroups auf seinen Server zu ziehen, wird als Anlaufpunkt attraktiver. Das erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, daß User sich auch die Webpräsenz des Unternehmens ansehen und eventuell einmal zum Kunden werden. Aber die Inhalte öffentlicher News-Server unterscheiden sich meist nicht wesentlich von den Standardangeboten der Provider.

Manchmal sind allerdings auch einige Entdeckungen zu machen: Ein schönes Beispiel für eine special-interest-group ist news://daria.cdnow.com, die vom kommerziellen Internetversender CD-Now betrieben wird: Hier sind aus aller Welt zahlreiche Diskussionsgruppen rund ums Thema Musik versammelt. Vom Rocker bis zum Jazzer sind nicht nur Hörer, sondern auch Musiker vertreten. Es gibt Streit unter Musikhistorikern über Händel-Interpretationen, der Gebrauchtinstrumentenmarkt verschafft den Zugang zur eigenen Fender Stratocaster. In anderen Beiträgen gibt es kommentierte Links zu Webseiten. Über News-Server können sich so im weltweiten Informationspool Interesseninseln bilden. Zuweilen werden die newsgroups auf heitere Weise auch mißverständlich genutzt: Bei news://jazz.trumpet.com.au sind nicht nur Hinweise zur Steuersoftware Trumpet Winsock zu finden, sondern werden auch Fotos von Miles Davis gepostet.

Andere Anbieter bieten Zugriff auf angeblich sämtliche newsgroups, die auf dem Globus zu finden sind. Billyboard ist als Webpage unter http://www.billyboard.com/Newsreading/HomeNewsPage zu erreichen.

Suchmaschinen und Listen bieten Zugang zu öffentlichen Newsservern

Es gibt allerdings Möglichkeiten, die Beschränkungen durch den Provider zu umgehen, nämlich indem sich der User bei einem öffentlichen News-Server anmeldet. Doch wie erschließt man die weltweiten Bestände an öffentlichen News-Servern? Eine simple Anfrage in einer Suchmaschine brachte schon brauchbare Ergebnisse: Für Einsteiger, die nach bestimmten Themen suchen, empfiehlt sich der Newsserver-Suchdienst von Michael Voigt: Hier werden ausschließlich öffentliche Newsserver erfaßt. Unter http://www.muenz.com erscheint eine Suchmaske, in der wie in einer WWW-Suchmaschine nach Begriffen gesucht werden kann. Die Antwort wird übersichtlich in Form einer farbigen Tabelle ausgegeben und enthält den Namen des Servers sowie den anklickbaren Namen der Newsgroup. Wahlweise gibt es noch Informationen darüber, ob Posting erlaubt ist (also auch Schreibrechte auf dem Server bestehen), wann das letzte Update erfolgt und unter welcher Mailadresse der der Newsgroupbetreiber erreichbar ist.

Andere gute Zugänge zu öffentlichen News-Servern finden sich im WWW auf manuell gepflegten Seiten. In mehr oder weniger häufig aktualisierten Listen wird auf frei zugängliche News-Server verwiesen, oft mit zusätzlichen Informationen über Inhalt und Aktualität (siehe Kasten am Seitenende). Die Listen haben allerdings den Nachteil, daß sie oft nicht korrekt sind: In den newsgroups herrscht eine hohe Fluktuation, oft sind sie schon wieder verschwunden, bevor sie in einer Liste erfaßt werden. Das widerum spricht für Suchmaschinen.

Technisch gesehen ist das Abonnieren einer newsgroup ganz einfach: Die Software für News-Dienste ist bei Netscape bereits in den Browser integriert — der Microsoft Internet Explorer verfügt über einen externen Newsreader. Ansonsten helfen die Suchmaschinen im WWW, frei kopierbare Software zu finden. Über die Listen oder News-Suchmaschinen (siehe Kasten am Seitenende) lassen sich leicht Server erschließen, die eventuell die gesuchte newsgroup im Angebot haben. Je nach Listenformat müssen die Adressen entweder in den Newsreader kopiert oder können direkt angeklickt werden, so daß sich der Host sofort im Newsreader meldet. Die jeweiligen newsgroups können meist per Mausklick mit dem Befehl <subscribe> abonniert und mit <unsubscribe> wieder abbestellt werden.

Welcher Dienst ist der richtige?

Newsgroups gehen im Vergleich zu mailing lists etwas rationeller mit den eigenen Rechnerressourcen um: Bei einer mailing list laufen alle Beiträge per email auf die eigene Festplatte, vielleicht interessiert davon aber nur ein Bruchteil. Also wird viel Bandbreite verschwendet für ein Minimum an Information. Bei einer newsgroup werden in der Regel zuerst nur die Überschriften der Nachrichten geladen – die Header entsprechen der subject-Zeile in emails. Nur interessante Diskussionsbeiträge werden angeklickt und dann auf den heimischen Rechner geladen. Das spart nicht nur eigenen Speicherplatz, sondern schont auch die Übertragungsressourcen des Netzes.

Und auch der Kreis der Ansprechpartner unterscheidet sich erheblich: In einer mailing list wird per automatisiertem email-Verteiler ein fest umrissener Personenkreis angesprochen – was durchaus sinnvoll sein kann. Nicht umsonst gibt es eine unüberschaubare Vielfalt auch an mailing lists — sie leben mehr vom persönlichen Kontakt der User.

Welchen Dienst man letzten Endes benutzt, hängt aber immer vom Inhalt ab: Wer seine Wohnung untervermieten will, Informationen für ein Forschungsprojekt sucht oder sich über Softwareprobleme informieren will, ist sicher besser in einer newsgroup aufgehoben: Hier sind potentiell alle Leser von Newsgroups angesprochen, die eigenen Beiträge werden an eine unbestimmte, aber sehr große Anzahl von Lesern weiterverteilt. Und ein weiterer Vorteil spricht für newsgroups: Hier werden Diskussionen oft eine Weile lang archiviert. Der User kann also erst einmal die Bestände nach seiner Frage durchforsten, bevor er eine Diskussion vom Zaun bricht, die gerade erst vor einer Woche ausgiebig in dieser Gruppe geführt wurde.

Im Gegensatz zu Webpages ist der Austausch viel unmittelbarer. In der Regel sind WWW-Angebote, wenn nicht ganz statisch, meist wenig auf Interaktion angelegt. Meist besteht nur eine Navigations- und eine email-Option. Wer an Inhalte oder Meinungen kommen will und den schnellen Austausch sucht, ist mit news nicht schlecht beraten. Persönliche Kontakte entstehen zwar nicht so unmittelbar wie in einer mailing list, aber das ist ja auch nicht primär Sinn der Veranstaltung.

Sind öffentliche News-Server überhaupt nötig?

Bleibt die Frage, ob öffentliche Newsserver eine sinnvolle und nötige Einrichtung sind. Wer als Student über einen universitären account ins Netz geht, wird meist schon auf dem heimischen News-Server gut bedient. Auch bei freien Providern gehört der News-Dienst mittlerweile zum Standard. Wer eine newsgroup auf dem eigenen Server vermißt, kann auch oft den Webmaster bitten, das entsprechende Angebot aufzunehmen. Und in der Regel finden sich auf öffentlichen News-Servern ungefähr die gleichen Angebote wie auf dem des eigenen Providers — die Überschneidungen sind erheblich. Zudem ist die eigene Recherche, ob in einem öffentlichen Angebot tatsächlich ausgefallene Angebote liegen, relativ zeit- und kostenaufwendig, vor allem, wenn die Namen der gesuchten Newsgroups nicht bekannt sind. Und nicht zuletzt gehören die öffentlichen News-Server nicht unbedingt zu den schnellsten.

Interessant werden die öffentlichen News-Server erst dann, wenn der User tatsächlich einen ganzen Verbund von Newsgruppen zu einem Thema zentral auf einem Host sucht, wenn er bestimmte Dienstleistungen wie technischen Support von einzelnen Anbietern benötigt oder seine Finger nicht von indizierten Seiten lassen kann.

Aber der Weg, die richtige newsgroup zu finden, ist steinig und beschwerlich: Denn die öffentlichen News-Server haben den gleichen Nachteil wie der hauseigene: Ihre Inhalte lassen sich schlecht durchschauen, wenn man noch nicht weiß, wo was zu finden ist. Wer eine bestimmte Gruppe sucht oder zu einem Thema recherchieren will, ist meist besser bedient, wenn er sich an Suchmaschinen wendet: Dejanews oder Liszt sind auf das Usenet und newsgroups spezialiert, aber auch einige WWW-Suchmaschinen wie Alta Vista, HotBot oder NlightN bieten diesen Service an: Die Volltextrecherche erlaubt es, Stichworte in Beiträgen zu recherchieren — dabei ist es relativ uninteressant, auf welchem News-Server die eigentliche Nachricht liegt. Denn der gewünschte Effekt wird erreicht: Man erfährt, was wo zu finden ist, und wenn das Angebot tatsächlich nicht auf dem eigenen Server bereitgestellt wird, kann man sich immer noch beim entsprechenden öffentlichen Server anmelden.

Kleiner Tip am Ende: Ein schöne deutschsprachige Übersicht über das Usenet, Newsgroups und eng verbundene Gebiete findet sich beim Internet Information Center unter http://austria.eu.net/iic/de.usenet.htm

[Nachtrag: Das III hat den deutschsprachigen Dienst eingestellt und ist nun nur noch in der englischsprachigen Fassung unter http://www.iic.priv.at/iic/de/ erreichbar.]


Eine kleine Übersicht über öffentliche News-Server

Anbieter

URL

Features / Bewertung

Privatuser

http://www.germany.net/teilnehmer/100/167902/Server.html

 

Insgesamt drei Webseiten eines privaten Users mit Angaben von Internetadresse, IP-Adresse, Postingmöglichkeit und den enthaltenen newsgroups

Newsserver-Suchmaschine von Michael Voigt, Leipzig

http://www.muenz.com

Findet einfach alles. Ausgabe besonderer Angaben optional. Enthält nur öffentliche News-Server.

Internet Shop Frankfurt

http://www.internet-shop.de/freenews.html

Veraltete Liste, enthält ohne weitere Kommentare ausschließlich deutsche News-Server, nicht alle frei

Universität Paderborn

http://pbhrzx.uni-paderborn/~q09574/sonstiges/opennews.html

Gut gepflegtes, aktuelles und internationales Angebot

Privatuser

http://ts.umu.de/~maxell/Newsgroups/newsM.html

Schnelle, umfangreiche Seite aus Schweden

Privatuser

http://geocities.com/TheTropics/7915/newsd.html

Riesiges Angebot auf einer privaten Seite

Privatuser

http://www.ts.umu.se/~maxell/NewsgroupsnewsM.html

Graphisch ansprechende Seite mit riesiger Auswahl

Privatuser

http://www.rhrk.uni-kl.de/~wstein/newsserv.html

Rund 50 deutschsprachige Einträge, aber unkomfortabel

Privatuser beim Bürgernetzverein Landshut e.V.

http://www.bnla.baynet.de/bnla01/members/danjon67/news.htm

Schöne Liste mit kurzen Angaben zu Inhalten

Dejanews

http://www.dejanews.com

Umfangreiche Newsgroup-Suchmaschine mit Volltextrecherche

Liszt

http://www.liszt.com/

Umfangreiche Newsgroup-Suchmaschine mit Volltextrecherche, zur Zeit sind mehr als 71.000 mailing lists verlinkt

Tile.net

http://www.tile.net/tile/listserv/index.html

Umfangreiche Newsgroup-Suchmaschine mit Volltextrecherche

Reference.com

http://www.reference.com

Durchsucht Archiv und directories in Usenet, newsgroups, mailing lists und Web.

27.6.1997 für PC Intern, erschienen in der Ausgabe 8/97, S. 75-77.

Janko Puls


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