Jankos Media Monster
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"Jankos Media Monster", in:

Insight M
Neue Medien Märkte Macher
Ausgabe Nummer 2 / Februar 1999, 7.Jg, S. 22-23.


Jankos Media Monster

Am Anfang standen eine gigantische Sammlung von Bookmarks, der Wunsch, sich in HTML auszuprobieren, und ein kostenloser Internetzugang über die FU Berlin. "Ich habe meine Bookmarks auf einer Homepage neu sortiert und ins Netz gestellt", erzählt Janko Puls von seinen ersten Internet-Gehversuchen im Jahr 1995. "Das war in erster Linie eine Spielerei, und ich dachte, daß vielleicht andere Publizistikstudenten etwas mit meiner Seite anfangen können."

Aus der privaten Homepage wurde schnell eine ernstzunehmende Adresse im Internet: Jankos Media Monster. Allein im zweiten Halbjahr belief sich die Zahl der Besucher auf 8.000. Vor allem netzaktive Journalisten treiben sich auf diesen Seiten herum. Mit gutem Grund: Das Media Monster bietet die derzeit umfangreichste Sammlung von Internet-Adressen für die journalistische Arbeit. Die Materie deckt sich mit Janko Puls' beruflichen Interessen, er will Online-Journalist werden. Neben seinem Publizistikstudium arbeitet er als freier Journalist für Zeitungen (beispielsweise für die Frankfurter Rundschau), hat sich schon hinter der Kamera und vor dem Mikrofon ausprobiert.

Sein Media Monster greift vor allem Internetangebote von Rundfunk und Presse aus dem europäischen Raum ab. Hier finden sich Dokumente zu Medienrecht, Jobbörsen oder die Adressen kostenloser Zeitungsarchive. Die Homepage deckt aber auch die Bereiche Politik, Suchmaschinen und Kunst ab. Etwas aus der Reihe tanzt die "berüchtigte Diverses-Seite" (Puls) auf der man Hilfreiches wie HTML-Kurse, aber auch Zweckfreies wie den aktuellen Pegelstand einer Kaffeemaschine in Cambridge entdecken kann. Für Janko Puls sind - neben den Medienlinks - jene Seiten besonders wichtig, die sich mit dem Thema seiner Magisterarbeit, "Elektronische Zeitungen", auseinandersetzen.

Das Media Monster ist von der ersten Seite an serviceorientiert. Der virtuelle Janko nimmt seine Besucher an die Hand und führt sie durch den Katalog. Selbst ungeübten Internetnutzern wird das Auffinden relevanter Links durch klare Anweisungen leicht gemacht. Eine Suchmaschine nimmt dem Nutzer im Zweifelsfall die Arbeit ab. Und zwischendrin erhält der Suchende auch mal eine kleine Streicheleinheit wie "Du brauchst sicher keine Gebrauchsanleitung, wenn Du schon bis hierher vorgedrungen bist..."

Janko Puls - Foto von Gesa FritzRund 16.000 kommentierte Links hat Janko Puls bis heute auf der Website zusammengetragen. "1995 war es sehr leicht, die medienrelevanten Adressen im Internet zu finden und zu verlinken — einfach weil es noch nicht viele gab.", sagt der 31jährige Student. Als die WWW-Domains immer zahlreicher und das Netz immer versponnener wurde, wählte er den mühseligen Gang durch die Suchmaschinen, postete in Newsgroups und klickte sich durch andere Linksammlungen. "Nachdem ich schon 99 Prozent zusammengetragen hatte, hat mich der Sammlerehrgeiz gepackt. Außerdem meldete sich der kleine Wissenschaftler in mir zu Wort und sagte: 'Na komm', mach's vollständig.'"

Inzwischen hat Jankos Media Monster eine Eigendynamik entwickelt. Zeitungen schicken E-Mails mit ihrer aktuellen URL. In Kneipengesprächen erfährt Puls von lohnenswerten Seiten. Aus Aachen, Moskau und Zypern wird er über die neuesten Entwicklungen im Internet informiert. Dabei ist nicht jeder Monster-Besucher Journalist. Eine Sicherheitsfirma, ein Bankangestellter aus Litauen, ein 14jähriger Teenie — rund die Hälfte der Nutzer haben nach Puls' Einschätzung beruflich nichts mit Medien zu tun.

So einprägsam der Name der Homepage ist — heute würde Janko Puls sein Media Monster am liebsten umbenennen. "Mit meinem Vornamen als Namensbestandteil sind die Seiten etwas privater, als mir lieb ist. Außerdem wirkt der Name unseriös, nicht wirklich professionell." Doch davon läßt sich wohl kaum jemand irreführen. Die E-Mails, die Janko Puls regelmäßig erreichen, enthalten fast ausschließlich Lob.

Es gab auch schon den einen oder anderen Versuch, seine WebSite zu übernehmen. "Ausgerechnet ein Volontärsausbilder hat die Seiten kopiert", berichtet Janko Puls. Der Vorgang ließ sich aber mit der Androhung rechtlicher Schritte sehr schnell rückgängig machen.

Ein besonderer Schatz sind die Kommentare zu den Links. Hier findet die systematisch-wissenschaftliche Seite des Berliner Studenten, die sich im Aufnau der Linksammlung niederschlägt, ein abruptes Ende. Janko Puls drückt den Seiten seine ganz persönliche — subjektive — Note auf. "Ein Link ohne Kommentar ist nichts wert", sagt er. Und so erfährt man, daß das Kevelaerer Blatt online "grüngrau, flach, katholisch und langweilig" und das juristische Informationssystem Juris GmbH "ein must" ist.

Die Kriterien, nach denen er wertet: "Für mich sind Inhalte und Mehrwert wichtig. Bunte, verspielte Seiten sind zwar nett anzusehen, für die Besucher der Seiten aber oft mit nervtötenden, kostspieligen Wartezeiten verbunden." Außerdem schätze er Medien, berichtet Janko Puls und führt als Beispiel den Spiegel Online an, die im Internet zusätzliche Angebote zur Printausgabe schaffen. Sein Negativbeispiel: Das Darmstädter Echo. "Außer dem Anzeigenteil bekommt der Besucher nicht viel zu Gesicht."

Den Maßstab, den der Berliner Publizistikstudent anderen Medienseiten anlegt, hat er auch bei seiner eigenen Homepage angewendet. Sie ist eher nüchtern und schlicht — auch im Erscheinungsbild ganz Katalog. Auf verspielte, buntere Seiten stößt man erst nach einiger Suche — oder wenn man gezielt Jankos Motorradseiten ansteuert.

Puls' Hauptarbeit besteht heute im Aktualisieren und Systematisieren der vorhandenen Links. "So viel Neues gibt es nicht mehr." Trotzdem investiert er jede Woche mindestens zehn Stunden Arbeit in das Monster. Die Datenbank will gepflegt werden, wenn sie nicht zu einer Sammlung von Irrläufern verkommen soll. Zeitintensiv ist die Angelegenheit auch deshalb, weil Puls jede Seite, die er verlinkt, in Augenschein nimmt.

Auch der kostenfreie Internet-Zugang über die FU Berlin hat seinen Preis: Bannerwerbung auf der Homepage ist tabu. Spätestens nach Abschluß des Studiums will Janko Puls den Provider wechseln und seine Linksammlung wirtschaftlich verwerten. Angebote zu Kooperationen, sagt Janko Puls, stünden bereits im Raum. "Bisher ist die Homepage ein teures und zeitaufwendiges Hobby, und das geht auf Dauer nicht."

Trotzdem denkt der Student darüber nach, seine Sammlung zu erweitern. So wil er dem Thema "Ausbildung und Medien" in Zukunft mehr Raum geben. Er könnte sich auch vorstellen, regelmäßig Rezensionen ins Netz zu stellen. "Wichtig ist mir dabei, daß ich etwas Neues mache und nicht nur einfach nachahme, was andere schon — vielleicht besser — umgesetzt haben."

Das aufwendige Hobby macht sich für Janko Puls aber trotzdem schon bezahlt. Der Publizistikstudent hatte mit dem Medien Monster klar abgesteckte Ziele im Sinn: Es sollte etwa die Kontaktaufnahme zu etablierten Journalisten erleichtern. "Ich habe mir mit der Homepage einen Namen gemacht", führt Janko Puls aus. "Sie ist meine Referenz." Das Media Monster soll seine Eintrittskarte zur Laufbahn als Online-Journalist sein. Und — wie er andeutet — erfüllt es diese Funktion auch.

Gesa Fritz

Alle Rechte bei Insight M, Verlag Rommerskirchen.


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